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"Wir haben alle so viel zu tun, ans Feiern haben wir bislang noch nicht
gedacht.“ Peter Wien gibt sich bescheiden. Der Inhaber der in Freiburg
beheimateten Schaub-Gruppe sprüht als 64-Jähriger vor Ideen. Und für
die jüngste ist Mitte Juni der offizielle Startschuss erfolgt: ein
Pilotprojekt zum Entlassmanagement für vier Akutkliniken einer
bundesweit tätigen Klinikkette im Raum Südbaden. Die Kooperation
erfolgt im Rahmen des Konzepts CareVital plus und könnte, so die
Hoffnungen von beiden Beteiligten, bundesweit Schule machen. Für das
Unternehmen ist es ein weiterer wichtiger Strang in einem seit
Jahrzehnten entstandenen Netzwerk aus Kliniken, Pflegediensten, Heimen
und Patienten. Was sich heute als Firmen-Gruppe darstellt, war vor gut
30 Jahren noch eine kleine Nummer in der Sanitätshaus Branche der
Region um Freiburg. 1976 war Wien in das Unternehmen seines
Schwiegervaters Hans Georg Schaub eingetreten. Eigentlich sollte es nur
eine Auszeit sein – ein Jahr mal etwas Neues wagen. Zwingende
berufliche Gründe gab es für diesen Schritt nicht. Wien hatte bei der in
voller Blüte stehenden Firma F. L. Fischer, einem Hersteller von
chirurgischen Instrumenten, als Diplom-Ingenieur und technischer Leiter
eine gute Stellung.
Ein effektives Gespann: Stephan Thoma (li.)
und Peter Wien entwickeln laufend neue
Konzepte für die Schaub-Gruppe.
Der Sprung auf die Wiese
Mit einem Renault R4 als
Privat- und Firmenwagen machte er sich in Schaubs Diensten auf,
besuchte unzählige Kunden und legte den Grundstein für die Expansion
des Unternehmens mit zu jener Zeit fünf bis sieben Beschäftigten. Sein
Engagement wurde belohnt. Der Betrieb wuchs, neue Standorte kamen inzu
und 1987 wagte er den noch unüblichen Sprung auf die sprichwörtlich
grüne Wiese im Süden vor den Toren Freiburgs. Die Überzeugung des
damaligen Pioniers: „Werkstatt und Lager müssen nicht unbedingt in
bester Stadtlage sein.“ Gleichzeitig sollte eine roßzügige Ausstellung
von Reha-Hilfsmitteln eingerichtet werden. In den Folgejahren reichten
sich Sanitätshaus-Kollegen aus dem Bundesgebiet bei Schaub in Freiburg
die Klinke in die Hand. Sie wollten wissen, wie das funktioniert, wenn
Werkstatt, Lager und Ausstellung sich nicht in Reichweite der
Laufkundschaft befinden. Was damals als Schritt raus aus dem Zentrum
kritisch beäugt wurde, hat sich heute, knapp 20 Jahre später, als beste
Lage für die Kundschaft herausgestellt: leicht erreichbar im
Gewerbegebiet, eingebettet zwischen Autofirmen, Betrieben und
Discountern. Wien liegt seit jeher vor allem die Rehatechnik am Herzen.
Um das Ziel einer umfassenden Versorgung gehandicapter Menschen zu
erreichen, kamen jedoch nach und nach weitere Sparten hinzu, wie die
heute osperierende Schuhtechnik und die Homecare-Abteilung, in der
allein sieben examinierte Krankenschwestern beschäftigt werden.
Treppenlifte entwickelt
In den 80er-Jahren wagte der Firmeninhaber
einen weiteren pionierhaften Schritt: Damit die Kunden trotz ihrer
ingeschränkten Mobilität zu Hause wohnen bleiben konnten, entwickelte
er einen Treppenlift. Die damals gegründete Firma Schaub Technik war
schnell Großkunde des Zulieferers Thyssen. Der Konzern interessierte
sich deshalb für eine Beteiligung an dem Freiburger Unternehmen. Bis
vor fünf Jahren war Wien noch geschäftsführender Gesellschafter bei der
Treppenlift-Sparte des Konzerns. Anfang der 90er-Jahre fand im Kleinen
dann so etwas wie die deutsche Wiedervereinigung statt. Zur
Vorgeschichte: 1931 hatten die Brüder Hans Georg und Franz Schaub
gemeinsam ein Sanitätshaus gegründet. In den 50er-Jahren trennten sich
jedoch die Wege der beiden Orthopädietechnik-Meister. Aus Brüdern
wurden regionale Konkurrenten. Hans Georg Schaub legte den Fokus auf
die Rehatechnik.
Lymphologische Kompetenz
Bei Franz Schaub entwickelte sich im Laufe der 70er-Jahre ein
Schwerpunkt in der Kompressionsversorgung von lymphologischen
Patienten. Federführend war hier die Tochter von Franz Schaub, Angela
Vollmer. Die Bandagisten-Meisterin kam in Kontakt mit führenden Lymphologen – ein medizinisches Fachgebiet, das vor rund 30 Jahren zur
Blüte kam. Und gerade in der Region Schwarzwald/Südbaden
spezialisierten sich die ersten Fachkliniken darauf. Die Bandagistin
stand aber vor einem Problem: Zur Erhaltung des Therapieergebnisses
waren die rundgestrickten Kompressionsstrümpfe nicht ausreichend. Die
Praktikerin entwickelte zusammen mit Lymphologen und der heutigen Firma
BSN-Jobst daraufhin die ersten flachgestrickten Kompressionsstrümpfe
sowie zahlreiche ompressionsstrumpf-Versorgungsarten für
Lymphödem-Patienten.
Wiedervereinigung bei Schaub
1994 trat Frau Vollmer dann an den Schwiegersohn ihres Onkels heran:
Sie wolle sich aus dem betriebswirtschaftlichen Alltagsgeschäft
zurückziehen. Die beiden lange konkurrierenden Firmen wurden wieder
zusammengeführt. Die Bandagisten-Meisterin ist auch heute noch mit Leib und Seele bei der Sache, schult als 65-Jährige immer noch
den Nachwuchs bei Schaub und legt regelmäßig quasi als Hobby selbst das
Maßband bei Patienten an. Im Laufe der Jahrzehnte ist die entsprechende
Kunden- kartei auf 65.000 angewachsen – man ist damit bundesweit
größter Einzelversorger in diesem Indikationsgebiet. Das Unternehmen
ist weltweit der größte Einzelkunde von BSN-Jobst und wird dort als
Premium-Partner geführt: „Einen Strumpf, den wir heute bis 11 Uhr
bestellen, ist morgen um 5.30 Uhr per
Kurier bei uns. Um 7 Uhr startet die Außendienstmitarbeiterin und um 9
Uhr hat der Patient seinen Strumpf bereits am Bein.“ „Schaub“ gilt als
Qualitätskriterium in der lymphologischen Versorgung. Sieben von neun
bundesweit spezialisierten Fachkliniken vertrauen ihre Patienten dem
Freiburger Unternehmen mit seinen Niederlassungen an. Die Lymphologen
wollen bei Wechseln in andere Fachkliniken die Kompetenz der Fachkräfte
des Schaub-Teams nicht missen, wodurch bereits spezielle Filialen der
Gruppe in Bad Berleburg sowie in Dorf Zechlin (bei Berlin) eingerichtet
wurden. Die Fachkräfte führen jedes Jahr mehr als 6.000 Abmessungen
durch. Die Außendienst-Mitarbeiterinnen absolvieren eine fundierte
zweijährige Einführung in dieses Fachgebiet.
Finanziell guter Stand Aktuell stellt sich die Firmengruppe als Vollversorger im
Hilfsmittelbereich dar. Der Umsatz bewegt sich gut in zweistelliger
Millionen-Höhe und verzeichnet jährlich ein Wachstum im zweistelligen
Prozentbereich. Das Unternehmen steht finanziell gut da, so dass
Objekterweiterungen wie in der Verwaltung oder im Lager aus eigenen
liquiden Mitteln geschultert werden. Zum Gesamterlös tragen bei:
· Rehatechnik 30 %
· Homecare 20 %
· Lymphologie gut 30 %
· Orthopädietechnik 10 %
· Orthopädie-Schuhtechnik 10 %
In der Freiburger Zentrale, die zum Jahreswechsel um eine Etage
aufgestockt wurde, laufen alle Fäden des Firmennetzes zusammen.
Einkauf, Wareneingang und -verteilung, Kontakte mit Kostenträgern,
Kliniken, Heimen und Ärzten. Der Außendienst startet von hier in den
Raum Südbaden. Schulungen für Mitarbeiter und Kontaktpersonen in
Kliniken erfolgen hier. Die Lagerlogistik mit mehreren zehntausend
Artikeln (inkl. Wiedereinsatz und Fallpauschalen) wird hier an derzeit
noch drei Standorten (Neuwaren-, Wiedereinsatz-, Hochregal- Lager) und
einer Fläche von ca. 3.500 qm abgewickelt. „Nächstes Jahr wollen wir
auf die Zentrale mit Ausstellung und Lager noch ein Stockwerk
draufsetzen“, verrät Stephan Thoma. Der Diplom-Volkswirt kennt die
Schaub-Gruppe seit 1990. Damals jobbte er hier neben seinem Studium.
Und Peter Wien erkannte schon früh die betriebswirtschaftlichen
Kompetenzen des Studenten: „Wenn Sie wollen, können Sie nach dem
Studium bei uns anfangen.“ Der Freiburger ließ sich dies nicht zweimal
sagen, sondern griff zu. Zum einen fand er so eine langfristige
Perspektive in seiner geliebten Heimatstadt. „Zum anderen war ich
fasziniert von der Melange, die sich in der Sanitätshaus-Branche
bietet: Kontakt mit vielen verschiedenen Gruppen im Gesundheitswesen –
Ärzte, Krankenhäuser, Pflegedienste, Patienten – und die Kombination
von handwerklicher und kaufmännischer Arbeit.“ Der damalige Jobber
kennt aus eigener Erfahrung alle Bereiche der Firma – vom Hausmeister
und Lagerarbeiter bis zum Außendienst. 1996 stieg er in den
Zentraleinkauf ein, 1999 erhielt er Ein-
zelprokura und seit 2001 ist er Geschäftsführer der Schaub-Gruppe. Der
38-jährige Familienvater (2 Kinder) hat Spaß an seinen Aufgaben und
verantwortet nach wie vor den Einkauf.

Fokus in Südbaden
Mit Peter Wien spielt er sich die Bälle zu – hier der Visionär, dort
der wirtschaftliche Pragmatiker. Ideen entstehen und werden wieder
verworfen. „Nur was Hand und Fuß hat, packen wir wirklich an“, sagt
Thoma. „Grenzenloses Wachstum ist nicht unser Ding“, beschreibt Wien die Strategie und meint damit die Konzentration auf den Raum
Südbaden. „Hier sind wir eindeutig Marktführer“, gibt er unumwunden,
aber nicht mit hochmütigem Stolz zu. Doch keine Regel ohne Ausnahme:
1992 entstand aus dem ausgegliederten Sanitätshaus-Bereich der Firma
Germed in Pulsnitz (bei Dresden) die Schaub Rehatechnik GmbH mit
weiteren Standorten in Kamenz und Leezen (bei Schwerin). Die regionale
Stärke mit rund 130 Mitarbeitern vor Ort liegt in den kurzen und damit
schnellen Wegen zum Patienten.
Kollegen in der Branche hätten im Raum Freiburg nur einen Stand, wenn
sie sich spezialisierten, z. B. in der Prothetik/ Großorthopädie, oder
eben durch die Laufkundschaft in Ladengeschäften.
Stark im Entlassmanagement Schaub ist nämlich für örtliche Akutkliniken, gut ein Dutzend
Rehakliniken, die Brustzentren in Rheinfelden und Freiburg, unzählige
Pflegeeinrichtungen und Sozialstationen inzwischen der Ansprechpartner
in Sachen Entlass-Management. Mit den kirchlichen Krankenhäusern sowie
der Uniklinik kooperiert man in Freiburg. Das Entlass-Management ist
mittlerweile ein Schwerpunkt im alltäglichen Geschäft. Wurden Ende 2005
noch rund 700 Patienten pro Monat betreut, könnte die Zahl dank der
neuen Kooperation
zum Jahresende 2006 auf 1.100 bis 1.300 anwachsen. Eine eigene
Abteilung kümmert sich um den Kontakt mit den Entlass-Managern in den
Krankenhäusern. „Durch optimierte Arbeitsabläufe und Lagerhaltung
können wir Patienten im dringenden Bedarfsfall innerhalb einer Frist
von vier Stunden umfassend mit den benötigten Hilfsmitteln versorgen“,
sagt Thoma. 14.000 bis 15.000 Patienten erhalten so jeden Monat ihre
Hilfsmittel von Schaub. Allein im Fallpauschalen-System sind über 1.000
Pflegebetten und 6.000 Rollstühle
im Einsatz. Ziel ist, dass sich der Patient und seine Angehörigen nach
der Entlassung aus der Klinik in diesem Bereich um nichts kümmern
müssen. Thoma: „Die haben dann andere Sorgen.“ Die erfolgreiche
Zusammenarbeit ist im Zeitalter der DRGs nicht nur ein finanziell
wichtiger Faktor für die kooperierenden Kliniken, sondern steigert
zudem deren Reputation bei den Patienten nach dem Motto: „Hier wirst du
auch nach der stationären Behandlung nicht allein gelassen.“
Ein Rolli in zwei Stunden
Möglich machen dies eine datentechnisch durchorganisierte Lagerhaltung
sowie effektive Systeme, die auf langjähriger Erfahrung beruhen. So hat
man z. B. etwa 60 Grundversionen von Rollstühlen definiert, die als
Basismodelle entsprechend konfiguriert bereits vom Hersteller kommen.
Nach dem Aufmaß am Patienten kann so eine Version ausgesucht werden, an
der die Rehatechniker lediglich noch einige Modifikationen durchführen
müssen. Hierbei hilft ein Kanban Lager mit Ersatzteilen und Zubehör.
Zwei Stunden nach ftragseingang ist so der maßgeschneiderte Rollstuhl
fertig für die Auslieferung an den Kunden.
Qualität punktet langfristig
Im Zeitalter von Wiedereinsatz und Fallpauschalen hat sich Schaub hier
schon frühzeitig auf qualitativ hochwertige,langlebige, wenn auch etwas
teurere Produkte festgelegt – ein Schritt, der früher belächelt wurde,
sich aber langfristig auszahlt. Als Hauptlieferant hat man sich auf
Meyra festgelegt. „Mittlerweile sind wir größter Einzelkunde von
Meyra“, sagt Thoma. Überhaupt konzentriere man sich in allen
Produktsparten auf ein bis zwei Hauptlieferanten. Individuelle
Kundenwünsche würden selbstverständlich berücksichtigt. Gleichwohl hat
die Firmengruppe keine Skrupel, nach Ausschreibungen und Verhandlungen
selbst große Hersteller auszulisten. Mit an die 350 Lieferanten ist
Thoma regelmäßig in Verhandlungen. Davon könnte man etwa 30 als
Kernlieferanten bezeichnen. Thoma bietet den Herstellern bestimmte
Abnahmegarantien, fordert aber im Gegenzug eine Abkehr von „teilweise
zu rigiden Konditionsstrukturen“. Die Festbeträge in einigen
Produktgruppen haben dies seit Anfang 2005 noch verstärkt. Während man
im Inkontinenzbereich ein gewisses Entgegenkommen der Lieferanten Paul
Hartmann und SCA erreichen konnte, kam es zuletzt aufgrund des
VdAK-Bandagenvertrages zu Lieferantenwechseln bei Kompressionsstrümpfen
und Bandagen. Äußerst mühsam gestalteten sich auch die Verhandlungen
mit Herstellern im Stomabereich. „Hier mussten wir in den sauren Apfel
beißen und die Mindereinnahmen weitgehend allein ausbaden“, lässt der
Einkäufer durchblicken. In den anderen Produktgruppen habe man entweder
die wirtschaftlichen Aufzahlungen gegenüber den Patienten erfolgreich
durchsetzen können bzw. biete man im Inko-Bereich eine Standard- und
eine Premium-Versorgung an. Laut Einschätzung der
Schaub-Geschäftsführer geht der Trend in der Hilfsmittelversorgung
langfristig zu einem erhöhten Eigenbeitrag der Versicherten, sprich
standardisierten Versorgungen als Kassenleistung plus
Patientenaufzahlung für höherwertige Produkte. Hier sieht man sich gut
gewappnet, weil man u. a. durch mehr als 50 Außendienstmitarbeiter
bereits heute den Kunden ein umfassendes ervicenetz bietet –
Dienstleistungen, für die Patienten künftig ggf. gerne zuzahlen würden.
Gefragte Fachfrau und Referentin für
lymphologische Kompressionsversorgungen:
Brigitte Flesch.
Genehmigungsfrei-Grenzen erhöhen
Zu diesem Service gehört es für Schaub beispielsweise, dass man
unbürokratisch in Vorleistung tritt, wenn noch keine Übernahmezusage
der Krankenkasse vorliegt. Beim Stichwort Krankenkasse kommt Wien auf
das Thema Bürokratie zu sprechen. Sowohl bei Leistungsrbringern als
auch bei Kostenträgern könnte vieles vereinfacht und beschleunigt
werden, wenn die Genehmigungsfrei-Grenzen erhöht würden – je nach
Produktart z. B. auf 500 bis 1.000 Euro. Positiv hervor hebt er die
Techniker Krankenkasse mit höheren Grenzwerten und die AOK
Baden-Württemberg, bei deren Versicherten man den Rollator direkt nach
Rezepterhalt liefern und dann abrechnen kann – ohne mühsames Prozedere
mit Kostenvoranschlag und Genehmigungsverfahren. „Beschleunigte Wege
sind im Sinne aller – nicht zuletzt des Patienten. Schließlich haben
die Krankenkassen und wir dann wieder mehr Zeit für die Betreuung der
Versicherten“, sagt Thoma. Die Endabrechnung der Hilfsmittel müsse
freilich den vereinbarten Zusagen standhalten. Die Kompetenz in Sachen
Einkauf behält Thoma bzw. die Schaub-Gruppe nicht für sich. So sitzt
der Freiburger Volkswirt im Arbeitseinkaufskreis der RehaVital und
bestimmt hier die Einkaufsstrategien der bundesweiten
Leistungserbringergruppe mit. Peter Wien, der zu den zwölf
Grünungsmitgliedern von RehaVital gehört, hat im Verbund erst jüngst
die Gründung der CareVital plus mit angestoßen und ist Mitglied der
Lizenznehmer-Vertretung. Hier sind rund 30 der 100 Mitglieder mit von
der Partie, die gewisse Umsatz-, Service- und Personalkompetenz-
Kriterien in Sachen Homecare erfüllen. Sollten Patienten aus einer
Freiburger Klinik an ihre Heimatorte im Bundesgebiet entlassen werden,
erhält der dortige CareVital-plus-Kollege die entsprechend vom
Schaub-Team erhobenen Daten. Wie erwähnt, wurde über CareVital plus
auch der Vertrag zum Entlass-Management mit der bundesweit tätigen
Klinikkette geschlossen.
Filialen als Spezialisten
Visionär ist das Konzept von Wien und Thoma für die Struktur der
Sanitätshaus-Filialen. Sie sollen immer mehr im Rahmen eines
Satellitensystems zusammenarbeiten. Die Filialen werden genau daraufhin
analysiert, was in ihnen jeweils nachgefragt wird. Nur diese Schwerpunkte sollen sich dann noch in den Regalen finden. „Ladenhüter
kommen raus und die Geschäfte werden nicht mit allem Möglichen
vollgestopft“, formuliert Wien. Der Kunde wird allerdings trotzdem
ganzheitlich betreut, seine Wünsche werden erfasst und an die Zentrale
per EDV übermittelt. Von dort aus werden dann die jeweiligen Experten
mobilisiert. Bei allem geschäftlichen Erfolg ist das Gewinnstreben
nicht alleiniger Maßstab für die unternehmerische Strategie. „Das Wohl
der Mitarbeiter liegt Peter Wien sehr am Herzen“, sagt Stephan Thoma.
Geringe Fluktuationsraten und langjährige Betriebszugehörigkeit prägen
das betriebliche Miteinander. Dank flacher Hierarchieebenen sei auch
die Einrichtung eines Betriebsrates kein Thema. Zusätzlich zu den 160
Mitarbeitern werden 13 Auszubildende in kaufmännischen, handwerklichen
und mechatronischen Berufen beschäftigt.
In der OT-Werkstatt wird auch ausgebildet.
Gewinn ist nicht alles
Wien ist es zudem ein Anliegen, mit der Firmenkompetenz behinderten
Menschen unbürokratisch zu helfen. Seit Jahren ist er in der
„Hilfsgemeinschaft für Kranke und Behinderte in Polen e.V.“ engagiert.
Bereits vor der politischen Wende hat Schaub behinderten Kindern aus
Polen so manche orthopädische Versorgung unentgeltlich zur Verfügung
gestellt – z. B. jüngst Beinprothesen für ein elfjähriges Mädchen, das
ohne Beine und Arme geboren wurde. Fernseh- und überregionale
Presseberichte sind ebenso eine Frucht dieses Dienstes wie eine Privataudienz beim aus Polen stammenden Papst
Johannes Paul II., der über den Präsidenten (Vatikans-Mitglied) der
Hilfsgemeinschaft von der Hilfe des Freiburger Sanitätshauses für
polnische Kinder und Jugendliche erfahren hatte. Apropos Kinder: Wien
selber hat drei, die alle für die Fortführung des Unternehmens in Frage
kommen könnten – ob Wirtschaftsrechtler, Betriebswirtschaftlerin oder
Orthopädietechniker. Hier ist ihm also für die Fortführung der
Familientradition in der dann dritten Generation nicht bange.
Gleichwohl denke der 64-Jährige noch nicht an Rückzug aus dem
Alltagsgeschäft. „Dafür macht es mir zu viel Freude und wir haben eine
tolle Führungsmannschaft.“
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